Schutz durch Therapie

Wenn deine Therapie funktioniert und du dauerhaft unter der Nachweisgrenze bist, bist du nicht infektiös, das heißt, es kann sich niemand bei dir mit HIV anstecken.

Man kann also sagen, dass Sex ohne Kondom in diesem Fall auch sicher ist. Vielleicht verfolgst du die Gerichtsverfahren gegen Menschen mit HIV, die andere angeblich bewusst infiziert oder auch nur die Möglichkeit einer Infektion zugelassen haben. Die Schutzwirkung einer gut verlaufenden HIV-Therapie ist dabei zunehmend ausschlaggebend, die Beklagten freizusprechen. Wir vertreten, dass der Staatsanwalt sich grundsätzlich nicht einzumischen hat, wenn Erwachsene einvernehmlich Sex haben. Strafrechtliche Verfolgungen laufen einer wirkungsvollen HIV-Prävention absolut zuwider.

Kondome schützen. Aber nicht alle Menschen möchten ihr Leben lang Kondome benutzen oder zumindest nicht immer. Dass unter Therapie HIV nicht übertragbar ist, eröffnet hier Möglichlkeiten, auf Kondome zu verzichten und trotzdem Safer Sex zu machen. Das gilt für heterosexuelle Paare ebenso, wie für schwule Männer und alle anderen, die unter funktionierender Therapie und somit unter der Nachweisgrenze sind. Dies gilt sogar dann, wenn andere sexuell übertragbare Erkrankungen (außer Hepatitis C) im Spiel sind. Du glaubst es nicht? Unter aidshilfe.de findest du Zwischenergebnisse der sogenannten Partner Studie, die dies belegt.

Letzlich ist es aber immer eine individuelle Entscheidung, ob und wann die Entscheidung für oder gegen eine Therapie fällt. Lass dich beraten. Von anderen Positiven, von Medizinierinnen und Medizinern, von deiner Aidshilfe. Entscheide Dich für das, was für DICH gut ist. Objektiv ist zu sagen, dass Therapie hilft, länger und besser zu leben. Dafür gibt es sogenannte Therapieleitlinien. Die findest du bei der Deutschen AIDS-Gesellschaft.  Es kann aber auch sein, dass du dich anders entscheidest. Das ist ok!

Um zu einer guten Entscheidung kommen zu können, ist nichts so wichtig wie solide Informationen. Wer gut Bescheid weiß, kann eine aufgeklärte und selbstbestimmte Entscheidung treffen. Wir beantworten hier die häufigsten Fragen zum Thema „Nicht-Infektiösität unter der Nachweisgrenze“.

Wie funktioniert der Schutz durch die HIV-Medikamente?

Die HIV-Medikamente verhindern im Körper eines HIV-positiven Menschen die Vermehrung des Virus. Nach einiger Zeit ist bei einer gut wirksamen Therapie im Blut kein HIV mehr nachweisbar. Man spricht dann von einer „Viruslast unter der Nachweisgrenze“. Kurz darauf sind dann auch in Sperma,  der Scheidenflüssigkeit, in anderen Körperflüssigkeiten und in den Schleimhäuten keine oder nur noch sehr wenige HI-Viren nachweisbar. Eine Übertragung von HIV auf Sex-Partnerinnen und -Partner ist dann extrem unwahrscheinlich.

Wie sicher ist der Schutz durch Medikamente und wie groß ist das Restrisiko?

Studien haben ergeben, dass eine gut wirksame HIV-Therapie mindestens genauso zuverlässig vor der Übertragung von HIV schützt wie Kondome. In diesem Fall ist also auch Sex ohne Kondom Safer Sex. Absolute Sicherheit gibt es in beiden Fällen nicht, denn auch beim Kondomgebrauch kann etwas schief gehen. Aber beide Methoden haben eine sehr hohe Schutzwirkung.

Das "Restrisiko" ist schwer zu beziffern, auf jeden Fall aber sehr gering. Weltweit ist bisher nur ein Fall wissenschaftlich dokumentiert, in dem HIV trotz wirksamer Therapie übertragen wurde.

Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Viruslast muss seit mindestens seit einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze liegen und der oder die HIV-Positive muss die Medikamente regelmäßig einnehmen. Ob die Bedingungen erfüllt sind, muss alle drei Monate durch Bluttests in einer auf HIV spezialisierten Praxis oder Ambulanz überprüft werden.

Die Wirksamkeit der Therapien kann nachlassen, wenn die Medikamente nicht regelmäßig genommen werden. Dies kann auch aus anderen Gründne der Fall sein. Deswegen sind regelmäßige Kontrollen der Viruslast wichtig, in der Regel einmal pro Quartal.

Erhöhen andere sexuell übertragbare Infektionen das Risiko eine HIV-Infektion?

Oft ist zu hören, dass Schutz durch Therapie nur dann funktioniere, wenn keine anderen sexuell übertragbare Infektion vorlägen. Davon sind Experten auch lange ausgegangen. Ohne Therapiel erhöhen sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Tripper oder Chlamydien das Risiko der HIV-Übertragung erheblich.  Mit einer funkionierenden Therpie sieht das aber anders aus.

Mittlerweile zeichnet sich in Studien aber immer mehr ab, dass dies angesichts einer gut wirksamen HIV-Therapie nur wenig Einfluss auf das Übertragungsrisiko hat. Dies belegen auch die Zwischenergebnisse der im Einganstext erwähnten Partner -Studie.

Was ist, wenn der oder die HIV-Positive die Medikamente manchmal zu spät einnimmt oder einmal vergisst?

Die Einnahme muss nicht minutengenau erfolgen, sondern verträgt durchaus gewisse Abweichungen vom Zeitplan. Wenn einzelne Einnahmen verzögert erfolgen oder vergessen werden, gefährdet das nicht gleich den Therapieerfolg und es entsteht auch kein höheres Übertragungsrisiko. Vergisst man die Einnahme aber häufiger, kann die Viruslast wieder steigen – und damit das Übertragungsrisiko. Im Zweifel sollte man darüber mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Kann ich mich wirklich sicher fühlen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind?

Die Fakten und Daten sprechen für sich. Also lautet die Antwort: Ja - du kannst Dich sicher fühlen. Dies immer vor dem Hintergrund, dass es nirgendwo und nie 100%ige Sicherheit gibt. Also schau, womit Du Dich am wohlsten fühlst. Sprich mit anderen darüber. Probiere aus, ob dir ein zusätzlicher oder ausschliesslicher Kondomgebrauch eher liegt. Ob es für Dich einen Unterschied macht, in einer Beziehung zu sein, monogam oder nicht, und ob es bei einer kurzen sexuellen Begegnung anders für Dich ist. Dein Bauchgefühl zählt.

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